Die Jungs aus der Daimler-Werkstatt und ihr Projekt: Rettet die W-124-Staffel. Die Beduinen bedanken sich.

Wie es dazu kam, dass die sechs fast schon abgehalfterten W-124-Schlachtrösser der Benztown-Beduinen in den blinkenden Hallen des Daimler-Werks in Böblingen landeten, weiß heute keiner mehr so genau.  Irgendwann wurden sie einfach von mehreren Werkern in Blaumännern nach drinnen geschoben. Ein bisschen so wie unbekannte Flugobjekte, die in amerikanischen Spielfilmen im Forschungslabor der Army, erst mal auf außerirdisches Leben untersucht werden müssen.

Außerirdisch war natürlich nichts an den T-Modellen der Beduinen. Nicht von dieser Welt waren sie aber irgendwie schon. Zumindest waren sie nicht aus dieser Zeit. Auf den Typplaketten vorne im Motorraum kleben die Baujahre 1987 – 92, die Vier- und Sechszylinder von damals sind zwar solide, aber aus heutiger Sicht nicht gerade das, was Kenner als sexy Motoren bezeichnen. Einparkhilfen? Navischnickschnack? Elektronik? Fast nichts vorhanden! Dafür im Interieur der Charme der 80er und außen Blech, so dick wie die Kartonierung eines Leiz-Ordners.

Das Problem war nur, dass der Zahn der Zeit seine Spuren teilweise mit ziemlichem Biss im Innenleben der T-Modelle hinterlassen hatte. Bremsen, Lenkgeometrie, Unterbodenschutz, Stabi-Gelenke, Niveau-Regulierung – alles hin.

Ich habe mit den Männern geredet, die die Boliden in ihrem erbarmungswürdigen Zustand zum ersten Mal unter die Lupe nahmen, und ich habe ihren zweifelnden Blick gesehen, als der Rost von Radaufhängungen und Schwellern rieselte, wie der Raureif in einem winterlichen Wald von den Tannen. „Schafft ihr das?“, habe ich sie gefragt. „Kriegt ihr das wieder hin?“ Es wären keine Mechaniker beim wohl schwäbisch-solidesten  Autobauer überhaupt, wenn sie sofort „Ja“ gerufen hätten. Stattdessen war die Antwort: „Schauen wir mal“.

Sechs Wochen später kann ich nur sagen. Die Daimler-Mechaniker haben Wort gehalten: Sie haben „geschaut“ – und zwar sehr genau. In Dutzenden Arbeitsstunden und mit viel eigenem Engagement haben sie aus ziemlichen Wracks Rennmaschinen gemacht, in die wahrscheinlich auch Außerirdische sofort einsteigen würden.  Die Bremsen beißen plötzlich wie Pitbulls, die Kupplung kommt auf den Punkt. Die Ventile klickern wie in einer anderen Umlaufbahn und die Unterböden sind mit soliden Stahlplatten gegen die Unbilden der jordanischen Wüste geschützt worden. Und weil’s so schön ist, haben die T-Modelle gleich noch eine werksseitige Höherlegung spendiert bekommen, die einem heutigen SUV zur Ehre gereichen würde.

Kurz und Gut: Nach einer so guten Vorarbeit, können wir eigentlich gar nicht mehr anders, als die Rallye zu gewinnen. Danke an das Team der Daimler-Schrauber aus Böblingen!

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