Etappe 8 – Von Kulis ueber Kayseri bis zur syrischen Grenze: Der Zoll, der Verrueckte macht

Langsam entlaesst uns die Tuerkei aus ihrem Griff und wir naehern uns der syrischen Grenze. Vor der hatten uns alle gewarnt. Spaet solle man dort ankommen, moeglichst nach Mitternacht, um nicht voll in die moerderisch langsam mahlenden Muehlen der Grenzkontrollen hineinzukommen. Eine Stunde nach Mitternacht sind wir da. In einer tuerkischen Grenzstadt haben wir uns den Abend um die Ohren geschlagen, ohne rechtes Ziel, nur um nicht zu frueh da zu sein. Jetzt passieren wir die tuerkische Grenzkontrolle bei Kilis und rollen bei voelliger Dunkelheit in den stark bewachten Streifen Niemandsland bis zur syrischen Seite.
Wir sind zu spaet. Vor uns etwa 90 Teams, Busse und der kleine Grenzverkehr. Chaos. Wo was abgeben? Wann welchen Schalter aufsuchen? Mit wie viel welchen Grenzer bestechen, damit es schneller geht?
Was sich als gangbarer Weg nach etlichen Diskussionen und einigem Hin und Her herausschaelt ist Folgendes:
Damit die Einreise nach Syrien klappt, sind allein auf Seite der Islamischen Republik fuenf Stationen zu ueberwinden. Bei Station eins muss Geld gewechselt werden, um bei Station zwei – kaum zehn Meter von Station eins entfernt – eine Reise- und Autoversicherung abzuschliessen. Fuer 115 Euro bekommt man von der Royal Bank of Syria, Aussenstelle Kilis, zwei Buendel Geldscheine und zwei Handzettel ueberreicht. Das Geld sieht aus wie in Schwarztee eingelegt, die Handzettel versteht man nicht. Arabisch! Mit einem Buendel Scheinen geht man zu einer Art Buero, das mit einem Grenzbeamten und einem Computer ausgestattet ist. Hinter einer Wand voll von leeren (!!!) Aktenordnern, stempelt ein nach 200 auslaendischen Rallyeverrueckten nicht mehr ganz so freundlicher Herr den Auto-Passierschein ab. Allerdings nur wenn man ihm ein paar Dollarnoten in den Pass legt – Bearbeitungsgebuehr. Natuerlich.
Weiter gehts zur eigentlichen Grenzstation, 50 Meter schraeg links. Dort muss der Pass ueber den Tresen, und mehrere Beamte stellen betont gelangweilt, betont einreisekritische Fragen: Beruf, Grund der Reise und so weiter. Irgendwann wird man ausgerufen – das kann schon mal eine halbe Stunde dauern – und wer dann Weg ist, fuer den beginnt der Gang durch die Institutionen von Neuem.
Wir kriegen unsere Paesse und hetzen damit weiter. Immerhin warten wir schon seit 2,5 Stunden in der syrischen Nacht, dass sich der Schlagbaum oeffnet. Weiter gehts also, aber nicht ins Landesinnere, sondern zu Buero vier fuenf, wo jeweils wieder Handzettel und Passierscheine ausgegeben und reichlich Bakschisch hinuebergereicht wird. Pro Stempel ein Dollar. Wenn ein Stempel oder ein Dollar fehlt, heisst es – genau – zurueck auf Los.
Das Fluchen unter den rund 300 Leuten an dem Zollpoestchen wird lauter. Jeder ist vor der Grenztortur zwoelf bis 18 Stunden im Auto gesessen. Da konnte man wenigstens noch bestimmen, wo es lang geht. Jetzt macht das eine Buerokratie, der man vollkommen ausgeliefert ist, deren Entscheidungskriterien man, abgesehen vom Bakschisch, nicht versteht.
Und so meandern die komischen Auslaender an diesem Abend wie ferngesteuert von A nach B, von B nach C und wenn sie ausversehen nach D meandern, dann deutet ein strikter Zeigefinger zurueck nach A – und dahin tingeln sie dann zurueck. Diesmal aber auf gradem Weg.
Ein bisschen ist das so wie im Haus das Verrueckte macht in Asterix erobert Rom. Auf dem Grenzuebergang bei Kilis reichen uns dreieinhalb Stunden um fast verrueckt zu werden.
Vollends dem Wahnsinn fallen wir dann allerdings anheim, als uns Dirk S., Klaus H. und Manuela H. ihre Geschichte erzaehlen. Weil Manuela krank geworden ist, haben sie die Nacht in der Tuerkei verbracht und sind gegen alle Empfehlungen am folgenden Tag nach einem schoenen Fruehstuck und viel Ruhe zur Grenze aufgebrochen. Dort empfangen sie die freundlichsten Zoellner, zumindest der arabischen Welt. Sie werden zum Zollchef ins Buero gebeten und zum Tee eingeladen. Man redet ueber Deutschland, Fussball und Mercedes-Benz. Der Zollchef zeigt die tollen Geschenke, die er und seine Beamten von den verrueckten Deutschen am Abdend vorher bekommen haben. Ein unterer Dienstgrad nimmt Klaus und Manuela die Papiere ab und kuemmert sich um alle Formalitaeten. Nach einer dreiviertel Stunde dreht sich der Schluessel im Zuendschloss und laechelnd verschwinden die – In Schalah – Grenzer im Rueckspiegel.

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