Die Hyaenen von Petra

Kahl, aber immer noch in Schuss, auch nachdem Haendler ueber die Beduinen-Mobile hergefallen waren: Walthers und Christians Daimler am Toten Meer

Ich habe frueher viele Tierfilme im Fernsehen gesehen. Heinz Sielmann unterwegs, Bernhard Gryzimek in der Wueste. Daher weiss ich, wovon ich rede, wenn ich sage, dass wir in Petra, am Abend des 11. Mai 2010 Hyaenen gesehen haben. Sie kamen gegen 21 Uhr, weit nach Einbruch der Dunkelheit. Eben so wie es Hyaenen zu tun pflegen. Sie scharten sich um unsere T-Modelle, die wir arglos am Strassenrand der Ruinenstadt geparkt hatten.
Sie hatte gehoert, dass wir von der Rallye sind und Autos vollgestopft mit Werkzeug, Campingkram und Ersatzteilen noch einige Tage durchs Land karren, um die Wagen spaeter zu spenden. Und sie hatten gehoert, dass wir das ganze Zeug nicht mehr mit zurueck nehmen konnten. Jetzt begannen sie, sich grosse Brocken aus der Beute zu reissen, wie Hyaenen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit um einen Kadaver scharen.
Allerdings bezahlten sie dafuer. Autoradios standen hoch im Kurs: 20 Dinar, gut 25 Euro, legten sie auf die Kuehlerhaube. Dachtraeger – weg fuer 10. Eine Dachbox: 25. Campingstuehle: 5. Scheinwerfer: 20. Rei in der Tube: 1. Ein Kartenspiel mit nackten Frauen, mit dem wir eigentlich Polizisten bestechen wollten, geht fuer horrende 6 Dinar weg.
Sogar das ganze Auto haetten sie uns aus den Haenden gerissen. 10 000 Dinar kostet in Jordanien so ein Wagen, den wir in Deutschland fuer 800 Euro gekauft hatten. Das Reglement der Rallye verbietet es, allerdings, den Deal einzugehen. Die Autos muessen gespendet werden. Dass sich einige Teams wohl nicht daran halten, erfahren wir an diesem Abend von den Haendlern auch: Man erzaehlt uns, sie verkaufen die Wagen, melden sie als gestohlen und kehren mit dicken Taschen aus der Wueste zurueck. Stimmen die Geruechte, sind sie die wahren Hyaenen der Rallye, und nicht die Haendler, die am Strassenrand mit den bleichen Westlern ein Geschaeft machen wollen. Rund 100 Euro erloesen wir am Ende harter Verhandlungen fuer unseren Krempel in den Autos. Alle sind zufrieden, die Haendler, wir.
Dass, das nicht so ganz richtig ist, wird uns erst klar als die Araber weg sind. Die T-Modelle sind jetzt kahl. Wir stehen davor und schauen sie an, und so langsam daemmert uns, dass jetzt wirklich so langsam alles vorbei ist. In Minuten wurde abgeschraubt und weggebrochen, was wir in wochenlanger Arbeit in Deutschland mit viel Muehe und in Abendaktionen an unsere T-Modelle montiert hatten. Vor uns stehen nur noch die Gerippe unserer einstigen Rallyeboliden. Wehmut, Trennungsschmerz. Wenigstens sind die Autos noch fahrbereit. Und diesen letzten Trumpf spielen wir jetzt aus. Fussbremse raus und rein mit dem Gang. Ab nach Amman.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Hyaenen von Petra

  1. T - U

    hallo micha, hallo sebastian – grüße von der ostseeküste – futter für kamel vorhanden ….. schon verrückt eure berichte…..wir hoffen auf ein gesundes wiedersehen von dieser ungewöhnlichen reise. eure broderstorfer

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