Pein auf dem Parkplatz: Abschied von den T-Modellen

Natuerlich wussten wir, dass dieser Moment irgendwann kommen wuerde. Wir hatten uns das so vorgestellt: Durch einen lorbeerbekraenztes, ueberdimensioniertes Tor fahren wir am Ende aller Leiden und Tortouren der 5500-Kilometer-Rallye mit unseren betagten Autos beim jordanischen Koenig vor, der uns mit seinem Beduinendolch im Gegenzug fuer unsere gute Tat der Autospende zu Rittern des jordanischen Weltreichs erklaert und uns zumindest Dauerkarten im besten jordanischen Hamman in die Hand drueckt.
Am Ende war es dann leider nur ein trister Parkplatz vor dem noblen Ammaner Regency Palace, auf den wir am 16. Mai, kurz vor Mitternacht, vorfuhren. Der Parkplatz ist ungefaher so gross wie zwei Fussballfelder und ganz wie auf den Bolzplaetzen der unteren Ligen nach dem Abstiegsspiel roch es auch hier nach einer Mischung aus Schweiss und Urin. Alles stand schon voll mit Rallyewagen. Der Audi 100 CS Quattro Fliessheck, fuer den Liebhaber in Deutschland wohl einen 5-stelligen Betrag hingeblaettert haetten, die S-Klassen von Aquarabia, die E-Klassen der Wuestensterne und die Fiat Pandas, die wegen ihrer Schrotthaufenaura auf der Strecke immer am meisten Aufmerksamkeit erregten. Und jetzt parkten auch wir unsere T-Modelle an diesem Ort, der an Tristesse nur von der ostjordanischen Steinwueste bei Sandsturm uebertroffen wird. Ich sehe an dieser Stelle von einer genaueren Beschreibung der weiteren Geschehnisse ab, da er fuer viele Beduinen den Bereich de Persoenlichen beruehrt. Nur so viel. Es waren ergreifende Momente, die sich hier, im Schatten des 5-Sterne-Palastes in Amman, abspielten. Alles, was die Hyaenen von Petra unseren Daimlern nicht schon frueher entrissen hatten, nahmen wir mit. Typplaketten, Mercedessterne, Betriebsanleitungen. Und das nur um ein bisschen Erinnerung mit hinueber nach Deutschland zu retten. Waere da nicht die 20-Kilo-Gepaeckregelung am Flughafen, haetten wir wahrscheinlich auch Pleuel, Nockenwellen und Sperrdifferenziale eingepackt. So aber blieben die intakten T-Modelle irgendwann an diesem Abend allein auf dem miefigen Parkplatz zurueck. Für einen guten Zweck. Das ist OK so.
Weiter oben, in der feinen Lobby des Regency, ertraenkten die Beduinen spaeter ihren Kummer mit teurem Importbier. Irgendwann stiegen wir – zum ersten Mal seit Wochen uebrigens – in ein Taxi, verliessen den Autofriedhof mitten in Amman und blickten nicht zurueck.

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