Monatsarchiv: Mai 2010

Etappe 12: Finale: Fast and Furious

Das Beduinen-Mobil von Walther und Christian kurz nach der Wuestenpruefung im Wadi Rum. Der Kuehler kocht. Schlimmer traf es Kosta und Fronk: Bei einer Bodenwelle und Tempo 130 ging die Heckscheibe zu Bruch

Darauf hatten wir alle gewartet. Die Finale Wertung nach 5500 Kilometern Schinderei hinter dem Lankrad. Ein Rennen durch die Wuste, die beim Wadi Rum stellenweise so topfeben ist, wie ein Salzsee.
Jedes Team tritt mit alle Fahrzeugen an. Nach einem kleinen Geschicklichksitstest, heisst es Vollgas Geben. Die Kulisse ist eine alte Kamelrennbahn, rund sechs Kilometer lang. Team Benztown Beduinen zwei geht als erstes an den Start. In zwoelf Sekunden ist die Tachonadel bei Hundert, dann abbremsen wegen Bodenwellen, hart einlenken. Drifts, Drifts, nur noch Drifts. Wieder Vollgas. Kosta D., unser Nachwuchsfahrer, bremst zu spaet, wird von einer Bodenwelle ausgehoben und dreht sich zwei Mal um die eigene Achse. Die Heckscheibe geht mit einem Knall zu Bruch, Ol aus einem Kanister laueft aus. Spaeter wird Kosta fuer diesen Husarenritt gefeiert werden, auch weil er sofort wieder Vollgas gibt und als zweiter des Teams ins Ziel kommt. Ruecksicht auf Mensch und Material ist bei der finalen Etappe in der die Anspannung von Tagen kulminiert, fehl am Platz.
Fast am Ende der Rennstrecke kreuzt eine tiefe Schrunde den Boden, die bei Tempo 120 kaum zu erkennen ist. Hier lassen alle Teams Federn. Christoph G. und Pascal G. lassen zumindest zwei Radkappen hier und beschaedigen ihren Ruf als Team mit dem schoensten Daimler im Feld nachhaltig. Andere trifft es haerter. Neben der Querrille entwickelt sich im Lauf der Zeit ein Autofriedhof. Ein Siebener BMW verliert eine Stossstange, andere Reifenteile. Eine S-Klasse rollt auf einer Felge iss Ziel.
Wir kommen gut rueber, haben die widrigen Verhaeltnisse im Griff. Die T-Modelle verzeichen viel, und stecken alles weg. Das Adrenalin drueckt das Benzin aus den Adern. Viereinhalb Minuten dauert der Teufelsritt bei den schnellsten Beduinen. Top-Zeiten, vom Top-Fahrern in Top-Autos.
Und zugleich das Ende der Rallye. 5500 Kilometer Leiden, Stress, Hochgefuelhl und gelebter Teamgeist haben ein Ende – nicht ganz. Vier Tage werden die Beduinen noch durch Jordanien ziehen. Das Abenteuer – so ganz ist es noch nicht zu Ende

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Etappe 11-2: Pannen auf dem Mond oder: Die Operation Wuestensturm

Das T-Modell von Dirk und Klaus trotzt dem Wuestensturm


Ziehen wir mal Bilanz: Wir sind mit sechs Autos in Oberstaufen im Allgaeu gestartet, die zwei Monate vor Start alle fast 400 000 Kilometer runter hatten. Die Mechaniker von Daimler in Sindelfingen haben die Wunden der T-Modelle geleckt, und die groesten Narben in Fahrwerk, Chassis und Antriebsstrang sind mittlerweile ausgeheilt. Sie haben gute Arbeit geleistet. Bis Zentralanatolien ist ausser einem geplazten Oelschlauch, geplaetteten Daempfern und einer ausgefallenen Heckleuchte nichts passiert. Gut, da war der Fall des Kosta D. Im jugendlich Ueberschwang slidete unser griechischstaemmiger Nachwuchsfahrer in Montenegro ueber eine spitz zulaufende Betonmauer am Strassenrand und riss den Unterboden seines T-Modells auf. Nur wenige Zentimeter weiter rechts haette es die Olwanne seines T-Modells erwischt. Der Tod eines jeden Autos in so einer Situation. Der Dailmer lebte weiter, und mit ihm der gute Stern ueber uns. Bis, ja bis die jordanische Wueste kam. In ihr steigen die Temperaturen mittags auf deutlich ueber 40 Grad. Windboen peitschen ueber den kargen Landstrich und wirbeln den Staub hoch in die Atmosphaere. Jedes Licht wird erstickt.
Es gibt auf Erden wohl keine unwirtlichere Gegend als diesen Streifen Land, gut 100 Kilometer weg vom Irak und knapp 30 von Saudiarabien. Sand, schwarze Basaltbrocken in Fussballgroesse ueberall und dazwischen eine kleine Strasse, auf der ausser 40-Tonnern und uns nichts faehrt. Um 12 Uhr erreicht der erste Sechszylinder die ungesunde Arbeitstemperatur von 110 Grad und muss einen Gang runterschalten. Um 12.30 Uhr platzt der erste Reifen bei Tempo 100 bei Walther R. und Christian G. Um 13.30 der zweite bei Dirk S. und Klaus H. Immer geht es glimpflich aus. Die Beduinen arbeiten routiniert agieren wie Profis. Radwechsel in einer Minute, vom Meister: Fronk, the Wheelchanger, V. Waehrend seiner Ausbildung zum KfZ-Mechaniker hat er in einem Ostssestaedtchen mal einen Radwechselwettbewerb und ein Autoradio gleich mit dazu gewonnen und diese Routine spielt er jetzt aus. Jeder Handgriff sitzt, und die Beduinen brausen weiter. Andere Teams kaempfen auch mit der fuer Mensch und Maschine hoechst lebensfeindlichen Landschaft. Sie haengen am Strassenrand fest, weil die Benzinpumpe streikt oder die Reifen auf dem Asphalt schmelzen. Weil die jordanische Wuestenpolizei uns an einer Abzweigung falsch ableitet, verlieren wir wichtige Stunden und muessen den geplanten Abstecher in die Suedjordanische Duenenlandschaft abschreiben.
Daher geht es nach zehn Stunden Fahrt dirket nach Wadi Rum einer Oase fast beim Roten Meer. Um neun Uhr Abends, weit nach Anbruch der Dunkelheit, kommen wir an, essen Lamm und Huhn, trinken deutschen Schnaps und warmes Bier und schlafen fest. Unsere Bilanz steht: Alle Autos durch die Wueste gebracht!

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Etappe 11-1: Wir schwimmen nach Jordanien

Das Fahrwerk des Daimlers von Walther und Christian rollte zwischenzeitlich wie ein Beiboot in der Duenung. Erst zur finalen Wuestenetappe setzten wundersame Selbstheilungskraefte ein.

Daimler in Sindelfingen baut Autos. Klar! Nein, so klar ist das nicht. Wir steuern gerade ein Schiff, das ueber die Vorderachse rollt wie ein Beiboot in der Duenung. Derr W 124 von Walther R. und Christian G. ist schwer angeschlagen. Seit der Istanbul-Etappe sind die vorderen Stossdaempfer quasi nicht mehr existent. Mehrere Querrillen haben die Oelzylinder geplaettet. Einer, der es wissen muss, sagt: „Die Teile koennt ihr wegschmeissen. Wenn ihr nicht schneller als 80 fahrt, passiert aber auch nichts.“ So ist es. Ab Tempo aber entwickelt das Fahrwerk des Daimler ein eigenartiges Eigenleben. Der Stern auf der Haube bewegt sich aus der Perspektive des Fahrers wahlweise diagonal oder direkt seitwaerts, sobald ein Schlagloch oder eine Bodenwelle auch nur in Sicht kommt. Das T-Modell rollt irgendwie nach allen Richtungen hin, bauemt sich beim bremsen auf, und faellt beim Beschleunigen in sich zusammen wie Salzburger Nockerln in der Mittagshitze. Reparieren wuerde viel Zeit kosten. 24 Stunden. Und Geld. Beides haben wir nicht. Daher schwimmen wir auf den loechrigen jordanischen Landstassen weiter. Immer Richtung Wadi Rum, der Oase ganz im Sueden des Haschemitenreichs.

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Etappe 11: Das Kreuz mit dem Zoll

Mit Grenzuebertritten nach Syrien haben wir mittlerweile Erfahrung, daher hier nur in aller Kuerze: Ausreise – eine Stunde. Michael P. hat 16 Stempel gezaehlt, die ihm allein in Syrien auf diverse Papiere gedrueckt wurden. Von meist freundlichen Beamten, die allerdings langsam arbeiten. Versicherungskarte, Einreisecarnet, Ausreisecarnet, Geldwechselbescheinigung, KfZ-Bescheinigung usw. Araber flurchen, weil wir den kleinen Grenzverkehr nach Jordanien massiv stoeren. Immer uebertreten die Rallyeteilnehmer die kleinen Grenzposten naemlich in Rudeln. Und die Pendler, bleiben irgendwo in der Masse der Autoverrueckten stecken. Als der syrische Grenzposten verschwindet, kommt der jordanische. Eigentlich sind wir hier so was wie Staatsgaeste. Immerhin spenden wir unsere Limousinen in dem Land, um armen Ziegenhirten eine Kaeserei zu finazieren. Bis hierher hat sich das noch nicht durchgesprochen. Missmutige Zoellner lassen die Stempel nach unendlich langem Zoegern nur so in die Papiere krachen. Zwei weitere vertane Stunden an dieses gottverlassenen Winkel niemandland in der Wueste. Egal, alle Tore zum letzten grossen Abschnitt der Reise sind jetzt offen: Jordanien, wir kommen.

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Etappe 10 Nachtrag: Die Beduinen teilen sich auf

Keine Angst, es sind nicht Spannungen, die uns zerrissen haben, sondern Syriens Sehenswuerdigkeiten. Fuer zwei Tage, gibt es einfach zu viel zu sehen. EinTeil des Teams wendet sich gen Osten und besucht die Oase und Ruinenstadt Palmyra. Auf dem Weg kann man Gas geben. 180 schaffen die alten Daimler auf der mit einem Lineal gezogenen Piste, vorbei an Militaerflugplaetzen, Trucks aus dem zweiten Weltkrieg, die hier immer noch fahren und doesenden Kamelen. Auf dem Rueckweg taucht das Schild: Irak, 170 Kilometer auf. So viel Krisentourismus waere dann doch ueberzogen, denken sich die Beduinen und schlagen die andere Richtung ein – nach Damaskus.
Teil zwei der Beduinen taucht in die christlich-muslimische Geschichte ein und nimmt den Westen ins Visier. Nach Aleppo ist die Kreuzritterburg Crac des Chavaliers nahe Homs ein muss. Hier hat Sultan Saladin vor tausend Jahren mit den baertigen franzosischen Heerfuehrern gekaempft und heute kaempfen wir uns den Pass zu ihrer Burg empor. Fuer unsere Daimler ist die Wehranlage alles andere als uneinnehmbar.

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Etappe 10: Von Hama bis Damaskus: Die Fans kommen

Fuer Damaskus haben wir uns Verstaerkung geordert. Die Fans reisen an. Marcella, Anne-Kathrin und Heike stossen in der Haschemiten-Metropole zu uns und werden uns auf dem letzen Abschnitt der Rallye nach Jordanien begleiten. Das Wiedersehen wird in einem erstklassigen Restaurant in einer erstklassigen Stadt gefeiert. Damaskus, die Hauptstadt, die fuer Touristenaugen irgendwo zwischen Tausendundeinernacht und Moderne verharrt, zieht uns in ihren Bann. Alles ist urspruenglicher als anderswo, weniger touristisch. Hamams, orientalische Badeanstalten, Souks, Moscheen, die Groesse vermitteln. Und Maerkte, Maerkte, Maerkte. Wenn es irgendwo herkommt, dass die Araber eine Ader fuer Handel haben, dann von hier. Keine der engen Gassen ohne Kraemerladen a la Orient. Von morgends bis abends ist die Altstadt voll von Leben und nachts geht es in Bars weiter, deren Adressen nur die Taxifahrer kennen. Bier und Wein stehen nicht auf der Karte, nach ein paar eindeutig zweideutigen Bemerkungen in Richtung Kellner, aber fast immer zu kriegen. Fast sind wiretwas reumuetig,als wir in unsere Autos steigen und Dama – wie es hier nur heisst – verlassen.

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Etappe 9: Vom Kulis bis Hama: Freundliche Menschen im Schurkenstaat

Als wir aufwachen kreist ein Militaerhubschrauber ueber uns. Wir haben auf einem Tankstellenparkplatz 30 Kilometer nach der Grenze geschlafen, und dass da heute morgen keine Trucks, Baujahr 1956, sondern die Beduinenfahrzeuge stehen, war fuer die syrische Luftwaffe wahrscheinlich einen Blick wert. Egal, wir fahren weiter, machen Station in Aleppo, der alten Kreuzfahrerstadt mit der groesten Zitadelle des Orients und dem groessten – heute leider geschlossenen- Basar der Welt. Syrien empfaengt uns, wie wir es nicht erwartet hatten. Immerhin gilt die Diktatur als Schurkenstaat und wird in einer Reihe mit Sudan oder Nordkorea genannt. Davon heute keine Spur. Die Leute sind nett, freundlich, aufgeschlossen. Keine Abzocke. Jeder bietet Hilfe an. Mehrmals ist es uns seit unserer Ankunft in Syrien passiert, dass die Menschen alles stehen und liegen liessen, sich auf ihr Moped schwangen und vor uns durch eine der roehrenden Metropolen brausten, wenn wir mal wieder den Weg verloren hatten. Bezahlung wurde durchweg abgelehnt. Germany als Codewort und die Rallye, die unter anderem ein Kinderheim in Salamiah, oestlich von Hama unterstuetzt, reichten aus, um die meisten Hebel in Bewegung zu setzen.

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