Etappe 6, Von Istanbul nach Ankara, Dirks S. will zu viel und Herr Guenel holt die Kohlen aus dem Feuer

Istanbul ıst dıe automobılıstısche Herausforderung der Neuzeıt. 15 Mıllıonen Eınwohner, geschaetzt 500 Mıllıonen Autos, dreı Strassen. Und das Ok der Rallye setzte da noch eınen drauf. Als Sonderpruefung muessen wır vom europaeıschen auf den asıatıschen Teıl uebersetzen. Alle Teams sammeln sıch eın eınem Ort und auf das Startsıgnal des OK begınnt der 300-Auto-Le Mans-Start. 500 Meter ın dıe Daımlers rennen, Kupplung, Gas und reın ın den benzınoesen Stadtverkehr und wıeder zurück auf den europaeıschen Teıl. Wır drehen auf. Taxıfahrer bruellen, weılwır eınscheren. Ja den Anschluss zur Kolonne nıcht verlıeren. Jetzt machen wır es genauso wıe dıe 15 Mıllıonen Türken hıer. Wır lernen schnell. Und wır sınd besser als dıe allermeısten. Kaum eıne halbe Stunde nach Anpfıff haben wırdas Zıel erreıcht. Dıe Blaue Moschee. Alle Beduınen wınd da. Unser Praktıkant Kosta D. war der erste und hat seınen W 124 durch den Stadtverkehr gedroschen wıe eın Jockey seınen Araber auf der Rennbahn. Danach kommt unser Frauenteam, Hennı T. und Manuela – the hotstepper – H. Hut ab und Schleıer auf. Wır sınd ım ersten Fünftel des Feldes. Wılfrıed vom OK wınkt uns durchs Zıel an der blauen Moschee.
Danach gehts nahtlos weıter. Raus auf dıe D 100 nach Ankara. Tuerkenbomber – 6-achsıge 50-Tonnen-Geschosse rechts und lınks. Dıesel ın der Nase. Volle Konzentratıon. Und wıeder Vollgas.

Dırk S. – der aelteste ım Team hat jetzt Benzın ım Blut. Und zu vıel Dıeseldampf eıngeatmet. Beım Ampelstart reısst er dıe Tachonadel seınes Sechsenders auf 5000 Umdrehungen. Der Kat brennt durch. Zumındest sıeht es so aus. Harte Rauchentwıcklung seıtlıch am Unterboden. Dırk S. dreht weıter. 5500 Umdrehungen. 6000. Dann der Schreı durch den Bordfunk. Stopp. Dırk steigt ın dıe Bremsen, faehrt rechts reın. Klappe auf, Motor lebt. Aber der Kuehlkreıslauf ıst schwer ın Mıtleıdenschaft gezogen. Der Sechsender verlıert Wasser. Zeıt für unsere Mechanıker Chrıstıan G. und Fronk. Und dıe netten türkıschen Schrauber. Schellen, Zange alles ıst da. Das ıst gute deutsche Vorbereıtung, wenn dıe gute deutsche Technık ın dıe Nıes geht. Nach 30 Mınuten sınd wır fertıg, sagen danke und starten durch.

Nach fuenf Minuten Fahrt hat der Daimler alle Schellen und Trockenschweissbaender, die wir um den Kuehlerschlauch gewickelt hatten, verdampft. Da hilft nur noch der freundliche Herr Guenel, dessen Daimler-Benz-Vertretung in Kocaeli beim zweiten Defekt gerade in unseren Windschutzscheiben auftaucht. Also rein in den Hof und rauf auf die Rampe. „Das wird wohl laenger dauern“, bedeuten uns die Daimler-Mechaniker. Jetzt schlaegtGuenels Part. Der freundliche Herr laedt uns ein in sein Office, bringt Piden, Cola und Salat. Alles, was die Beduinen brauchen. Unten haemmern die Mechaniker am Benz, oben wird geschmaust – und uebers Geschaeft geredet.
Und Guenels Leute schaffen es. Nach mehreren Stunden ist der W 124 fertig und startklar. Danke an Mecedes-Benz Tuerkei!

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Etappe 5, Ausspannen ın Istanbul

Manuela, Walther und Fronk vor der Hagia Sofia

Istanbul bedeutete fuer uns alle eines: Abspannen nach dem wohl haertesten Teil der Strecke und einer gnadenlosen Einfahrt in die Millionenmetropole. Endlich in Ruhe Tee trinken, mal die Kleider waschen und herumschlendern. In den engen Gassen der Altstadt abends ein Bier trinken und Asien und Europa verschmelzen sehen. Viele von uns sagten nach dem Aufenthalt: „Da muss ich wieder hin!“

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Rallyegedanken 4, Die Hoelle der Einfallstrasse

Mit tuerkischem Temperament ist es nicht zu erklaeren, was sich auf den Einfallstrassen Richtung Istanbul abspielt. Sobald der Speckguertel der Stadt erreicht ist, beginnt das Krisengebiet Strassenverkehr. Rechts, links, ueberall lauern potentielle Angreifer, die reindruecken, ausscheren, auffahren oder abbremsen. Eigenlich hilft da nicht viel mehr als es genauso zu machen. Im Konvoi schlaengeln sich die Beduinen bei Tempo 80 durch die Blaulichtwueste. Zwischen Fuerungsfahrzeug und dem Letzten kaum 100 Metern. Vollgas. Anders geht es nicht. Der gute Stern auf der Haube verschafft Respekt, den man hier genauso dringend braucht wie einen starken Motor. Wir haben das alles und dazu noch ein geruettelt Mass Intuition und Orientierungssinn. Nach einer Stunde Hauen und Stechen stehen wir ohne Beule vor unserem Hostel in der malerischen Innenstadt. Und goennen unseren Boliden eine Nacht Pause und uns: Na klar, ein kueles Bier.

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Etappe 4, von Edessa nach Istanbul, 600 Kilometer, 11 Stunden

Endlich mal durchbrezeln und nicht von schlechten Strassen, flschen Schildern oder Eselkarren auf der Strasse ausgenockt werden. Das wae unser Traum und heute sollte er in Erfuellung gehen. Mit bisher fuer unmoeglich gehaltenen Stundenschnitten von ueber 60 Kilometer pro Stunde bewegen wir uns gen Osten, Thessaloniki und Istanbul fest im Blick. Endlich mal Zeit zum ins Wasser springen und vor allem zum Essen. Griechenland laedt ein zum Bleiben, wir aber muessen weiter und geben den Motoren Zunder. Mit Team 69, das mit seinen Mazda 626 Kombis unsere Route kreuzt, beginnt auf der breiten Kuestenstrasse die erste Waschechte Verfolgungsjagd, deren Ausgang wohl klar sein duerfte. Das Team der RWTH Aachen kaempft derweil mit Problemen. Wie man erfaehrt verabschieden sich ihre Audi 80 an einem Tag der Reihe nach. Turbo, Keilriemen, Radlager. Alles kaputt. Ihr Versuch, unsere W 124 abzuhaengen ist vorerst klaeglich gescheitert. In der Tuerkei wieder weite Strassen, auf denen wir mit Topspeed vorankommen. Um 23 Uhr sind wir in Istanbul.

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Rallyegedanken 3: Skorbut-Alarm

Die Ernährung gefährdet unser Rallye-Projekt. Wir haben Angst vor Skorbut. Keine Zeit zu Essen, schon gar nicht Salat. Dafür sind die Autos voll mit Krümeln. Daimler W124 heißt bei uns: Im Auto eine Flasche Wasser, zwei Würste, vier Stück Weißbrot.
Dirk S. kauft sich jetzt konzentrierten O-Saft, weil ihm Haare und Zähne auszufallen beginnen. Die Lage ist angespannt. Wir sind unterernährt und stark dehydriert. Auch Alkohol, den hatten wir fest eingeplant, geht nicht wegen des langen Fahrens. Red Bull haelt uns am Leben. Danke an Oesterreich.

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Dritte Etappe: Von Dubrovnik nach Edessa (Griechenland). Durch den verwunschenen Kessel, 660 km, 18 Stunden

Nadeloehr Bruecke nach Tirana

Die Tour wird zur Tortur! Jeden Tag sind wir länger gefahren, jeden Tag dachten wir, mehr geht nicht mehr! Schlimmer kann es nicht mehr werden. Es kann. Zumindest ist es eine prägende Erfahrung, Albanien von Nord nach Süd mit dem Auto zu durchqueren. Hier ein paar grobe Eindrücke:
Jenseits der montenegrinischen Grenzstation beginnt die Reise ins Herz der Finsternis Europas. Bittere Armut. Kinder spielen im Dreck. Kinder hängen sich an die Autos, wollen irgendwas. Geld, Getraenke, Aufmerksamheit.

Das Gepäck außen ist nicht mehr sicher, auch innen nicht, Knöpfe runter und durch. Das Land entlang der Straße ist eine einzige Müllhalde. Müll auf den Wegen, Müll in den Feldern, Müll brennt. Tiere überall. Streunende Hunde, ein toter Hund auf der Straße mit aufgeblähtem Bauch, Kühe, Eselkarren. Für 40 km im Umland von Tirana brauchen wir drei Stunden.

Albanien ist wie Deutschland. Es lebt von Autos. Wir produzieren sie, die Albaner schlachten sie aus. Schrottplätze überall. Wer fährt, fährt Daimler. W123, Baujahr 1980 und früher. Auf zwei Spuren passen hier drei Autos – bei Tempo 80 und Gegenverkehr. Schlaglochalarm.

Dabei müsste das alles nicht so sein. Das Land liegt in einem fruchtbaren Kessel. Dunkle Böden, viel Gruen. Es gab hier mal eine Eisenbahn und es gibt tolle Moscheen. An der Landschaft kann man sich nicht satt sehen. Pässe wie den nach El Basan sucht man in den Alpen lange.

In den Bergen verkaufen Bauern Chili und Olivenöl. Ein kurzer Halt wird von den einfachen Menschen mit viel Freundlichkeit belohnt. Trotzdem sind wir froh, als wir Albanien in der Dunkelheit irgendwann nach Mitternacht verlassen. Griechenland ruft.

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Rallyegedanken 2: Quetschgurken schmecken nicht, machen aber gute Stimmung

Alpha – Beta – Stopp- ma! Mit eine der weisesten Entscheidungen war es, sich CB-Funk in die Autos bauen zu lassen. Das Team dankt Christian G. Wo andere ihre Handyrechnung strapazieren, kommunizieren die Beduinen gebührenfrei.

Egal ob Haarnadelkurven, Gegenverkehr oder (landschaftliche) Schönheiten am Straßenrand – die Beduinen schicken in der Kolonne wirklich alles über den Äther. Auf Kanal 24 spricht man Deutsch. Schlechte Witze gehen immer! Dirk S., Walther R. und Kosta D. sind süchtig danach. Je heller der Tag, desto dunkler der Humor. Positiver Nebeneffekt: Die Teamfrauen haben was zu tun – und können den ganzen Tag drauf loslabern.

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Zweite Etappe von Turjak (Slowenien) nach Dubrovnik (Kroatien), 650 km, 16 Stunden

Es gibt alte Hasen, die sagen, dass der härteste Teil der Rallye durchs vertraute Europa geht. Die Aussage steht in gewissem Widerspruch zur sanften Voralpenlandschaft, durch unsere W124 in Wellenbewegung sanft Richtung Balkan gleiten. Es stimmt aber! Die zweite Etappe sollte bisher unsere härteste werden. 16 Stunden – von 8 Uhr morgens bis nach eins. Der Grund: Ganz anders als die meisten anderen Teams hatten wir die längere Strecke entlang der dalmatinischen Küste gewählt und dafür viel Spott kassiert.

Zu Unrecht! Es war die richtige Entscheidung. Während sich die Konkurrenz im serbischen Hinterland gestrecktes Benzin in die Tanks kippen ließ, hatten wir die ganze Fahrt über eine perfekte Landschaft vor uns und ab der Hälfte der Strecke ein fettes Spanferkel im Bauch. Prittwitzer Seen – Winnetous Land -, dalmatinische Küsten, und dann der erste Sprung ins Meer. Dieser war für uns gleichzeitig die erste rituelle Waschung seit 48 Stunden. Aber was soll´s – Hygiene wird sowieso überbewertet. Raum, Zeit und Schweiß – auf der Rally wird alles relativ.

Nach drei Stunden wilder Hatz auf der wilden Serpentinen-Traverse blinkt jetzt endlich die Skyline von Dubrovnik tief unter uns. Team Benztown Beduinen 2 hat das Präsidententeam um Dirk S. klar abgehängt. Punktsieg! Letzteren fehlen die Reserven. Pardon wird trotzdem nicht gewährt. Nach fünf Stunden Schlaf geht es weiter.

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Rallyegedanken 1: Slowenien im Feuer

Was bei uns Umweltvorschriften verbieten, taucht Slowenien jeden ersten Mai in Feuer. Auf jeder Kuppe schichten die Slowenen aus Reisig Scheiterhaufen auf, auf denen man wahrscheinlich sämtliche Hexen des Mittelalters hätte auf einmal verbrennen können. Um Mitternacht dann brennt das Land. Wer anhält und sich zu den Feuern stellt, hört alte Geschichten von alten Menschen. Diesmal mussten wir weiter. 5.000 Kilometer und 11 Länder liegen noch vor uns.

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Mit Gottes Segen ins gaile Tal

Erste Etappe: Von Oberstaufen nach turjak.

Wir wissen nicht viel über diese Rallye – das eine ist allerdings klar: Hitze ist unser Feind. Vier Pässe haben wir am ersten Tage geschafft: Fernpass, Brenner, Wurzenpass, und irgendeinen in slowenisch und immer näherte sich die Temparaturanzeige unserer Motoren bedrohlich dem kolbenzerstörenden 120 Grad an. Da half es auch nicht, dass uns die versammelte Priesterschaft bei der Abfahrt in Oberstaufen mit Weihwasser von einer Klobürste segnete. Bis in den Motorraum reichte der lange Arm Gottes dann wohl doch nicht. Die Heizung musste also raufgedreht und die Motorenhitze in den Innenraum geleitet werden. In Österreich ist das vielleicht spaßig, in der Hitze der jordanischen Wüste sicher nicht. Jenseits des Brenners allerdings kam die Erleichterung, Kühle, weniger Verkehr. Klaus H. wollte über Sexcen ins Gailtal fahren, und unser Grieche Kosta im Örtchen Kosta für seine Landeswährung beten. Und Dirk S. nach Stopp in Obergail und Niedergail seine Hitze im Gailbach ertränken. Nach 620 km war das Etappenziel erreicht. Das Wetter war perfekt, kurz: Erster Tag ohne Probleme!

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